“Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen, am Himmel hell und klar ………


Abendlied (Matthias Claudius)

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Das Abendlied („Der Mond ist aufgegangen“) ist ein Gedicht von Matthias Claudius, das zu den bekanntesten Gedichten der deutschen Literatur gehört. Es wurde zum ersten Mal im Vossischen Musenalmanach veröffentlicht[1][2] und fehlte von da an in kaum einer Anthologie. Vorlage war das Gedicht aus dem Jahre 1647. Die genaue Datierung ist unklar; teilweise geht man von einer Entstehung 1778 in Wandsbeck aus, teilweise von einer früheren in Darmstadt.[3]

Das Gedicht

1. Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

2. Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

3. Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

4. Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

5. Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

6. Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

7. So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

*  *  *

Formales

Das Gedicht besteht aus sieben Strophen, die aus jeweils zwei Terzetten zusammengesetzt sind. Das Reimschema ist dabei a-a-b-c-c-b, der jeweils dritte und sechste Vers bilden also einen Schweifreim. Das Metrum wird in der Regel als dreihebiger Jambus interpretiert, wobei der jeweils letzte Vers einer Strophe vierhebig ist. Einige Interpreten gehen jedoch davon aus, dass sämtliche Verse als vierhebig aufzufassen sind, und berufen sich dabei unter anderem auf verschiedene Vertonungen des Gedichts.[4]

Rezeption und Interpretationen

Das Gedicht hat vor allem als Volkslied enorme Berühmtheit im deutschen Sprachraum erlangt, dabei aber vor allem die erste, zweite, dritte und letzte Strophe, die anderen Strophen werden oft weggelassen. Überwiegend wurde das Lied als idyllisches Schlaflied rezipiert, mit dem nur ganz leise unheimlichen Aspekt des kalten Abendhauchs. Das Abendlied, so deutet es Winfried Freund, sei eher ein Todesgedicht, allerdings vor dem Hintergrund der Heilserwartung eines gläubigen Christen.

Die starke Rezeption des Abendlieds begann bereits kurz nach seiner Veröffentlichung. Johann Gottfried Herder nahm es als einziges zeitgenössisches Gedicht in den zweiten Teil seiner Volkslieder auf. Dabei kürzte er es jedoch um die letzten beiden Strophen, in denen der Gebetscharakter besonders deutlich wird. August Hermann Niemeyer druckte das Gedicht in seinen Sammlungen Lieder für das Volk und Gesangbuch für Schulen und Erziehungsanstalten und begründete so die Rezeption als Kirchenlied. Als Melodie gab er dabei Nun ruhen alle Wälder von Paul Gerhardt an, womit er diesen Bezug erstmals herstellte. Seine Nachdrucke waren jedoch von Claudius nicht autorisiert; er selbst autorisierte lediglich zwei Veröffentlichungen in einem säkularen Rahmen, darunter jene im Vossischen Musenalmanach.[5]

Die literarischen Qualitäten des Abendlieds waren lange umstritten. Einige Rezipienten erkannten eine kindlich-fromme Grundhaltung und lehnten das Gedicht aufgrund seiner angeblichen Naivität und Einfältigkeit ab. Ernst Wiechert lobte eine schlichte, aber handwerklich außerordentlich gelungene Ausführung und betrachtete gerade die Einfachheit als Stilmittel. Ungeachtet dieser Kontroversen kam das Abendlied schnell zu großer Popularität und fand Eingang in zahllose Anthologien und Gesangbücher. Eine wiederkehrende Frage in der Rezeptionsgeschichte ist die nach dem im Abendlied vermittelten Gottesbild. Verschiedene Interpretationen gehen dabei teilweise von aufklärerischen Grundtönen aus, teilweise auch von pietistischen oder reformatorischen, wobei eine eindeutige Zuordnung selten vorgenommen wird. Als Zeichen für fromme orthodoxe Lesarten wird dabei häufig Claudius’ eindeutig predigthafter Grundton gewertet, während bestimmte Vokabeln wie Sternlein gemeinhin dem Wortschatz des Pietismus zugeordnet werden. Auch dem Denken Martin Luthers hat sich Claudius nachweislich verbunden gefühlt. Sowohl theologische als auch literaturwissenschaftliche Interpretationen tendieren dazu, Claudius eine Unabhängigkeit von all diesen Strömungen zuzusprechen.[6]

Mit Abendlied wählt Claudius einen Gattungsbegriff als Titel, der das Gedicht in den Kontext bestimmter literarischer Traditionen stellt. Auf der einen Seite ruft der Titel das Umfeld der geistlichen Gesänge auf, auf der anderen Seite ist das Abendlied als literarische Gattung ein typisches Produkt der Reformationszeit. Typische Elemente dieser Gattung sind die Angst vor der hereinbrechenden Nacht, die Erinnerung an den zurückliegenden Tag sowie eine Form von Andacht. Anders als bei vielen Vorgängern in dieser Tradition tritt bei Claudius’ Abendlied eine reale, eigenständige Natur in Erscheinung, die nicht mehr rein metaphorisch gelesen werden kann. Auch fehlt dem Gedicht ein (gattungstypischer) grundlegender pädagogischer Unterton, dafür tritt ein fortschreitender Erkenntnisprozess auf, dem der Leser folgen kann. Claudius’ Abendlied kann so als Gedicht gelesen werden, das eine literarische Tradition aufruft, um sich gleichzeitig von ihr abzugrenzen.[7][8]

Vertonungen und Melodien

In der Vertonung von Johann Abraham Peter Schulz in der Sammlung Lieder im Volkston, bey dem Claviere zu singen aus dem Jahr 1790[9] erhielt das Abendlied einen festen Platz im deutschen Liedrepertoire. Mit dieser Melodie steht es auch im Evangelischen Gesangbuch (EG 482, mit vierstimmigem Chorsatz von Max Reger (1899)[10]), mit identischem Text und Melodie seit 2013 auch im katholischen Gotteslob (Nr. 93). In Kirchengesangbüchern fand es sich bis weit ins 20. Jahrhundert meist mit der Melodie Nun ruhen alle Wälder (Innsbruck, ich muss dich lassen, von Heinrich Isaac).

Insgesamt gibt es jedoch mehr als 70 Vertonungen. Franz Schubert vertonte es im November 1816 für Singstimme und Klavier (D 499).[11] Weitere Vertonungen stammen von Michael Haydn, Carl Orff, Johann Friedrich Reichardt, Othmar Schoeck, Pe Werner und Herbert Grönemeyer.

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Quelle: Notierung aus dem Rheinisch-Westfälischen Provinzial–Gesangbuch, 1893