E.M.H. “Briefe vom Bauhaus” Nr. 6


Wenn ich es so recht bedenke, da waren wir nun – ich wieder einmal vor den Toren der Kreisstadt Heilsberg/Lidzbark und konnten eigentlich – für mich – nicht besser gelandet sein!
Denn ich habe die Zeit dort genossen bei unseren Verwandten, die ich bereits kannte.

Dem Haushalt als “Mutter vom Ganzen” anvertraut war “Tante Ließchen”, eine eher kleine grauhaarige schon etwas ältere Mutter auch mit straff zurückgekämmtem Haarm, das in einem kleinen Hinterkopf-Knoten zusammengaßt war. Das schien so die allgemeine Frisur für die älteren Jahrgänge der Frauen dort zu sein, denn die von gegenüber in einem Siedlerhof mit einer Truthahnzucht hatte, wie ich erinnere, die gleiche Frisur

Also Tante Ließchen: Sie stand diesem Bauhaus, der ganzen eigentlich grossen Hofanlage mit Garten und Scheunen-Schuppen (der mit den Ratten) bevor. Und eigentlich war es für sie zuviel Arbeit, die auf ihr lastete, denn sie hatte keine Hilfe, da ihre Töchter alle tagsüber ausser Haus waren und ihren Berufen nachgingen.

So stand sie früh auf und schaffte den ganzen Tag und man hatte immer den Eindruck, dass sie etwas tat, was wie so ein “Herumwuseln” aussah, denn sie hing der Zeit immer hinterher und es war noch so viel zu tun! Also Tante Ließchen wuselte eilig durch’s Haus und über den Hof wie ein kleines sehr eiliges Mäuschen, das Wintervorräte in seinen Bau brachte. Anders kann ich es leider nicht ausdrücken, denn das war so ihre Art, die ihr zugeschobene Arbeitslast zu bewältigen.

Denn der Baumeister, Herr über alles hier vom Bauhaus und dem Rundherum war nicht anwesend. so war sie ganz allein  und es war zumeist zu viel für sie. Sie war eine liebe aber sehr geschäftige kleine Person, die eben herumwuselte und nie Zeit hatte für sich oder andere Dinge als die des Hauses.

Der Baumeister, Onkel Albert mit demn silber-schwarzen Haaren auf seinem breiten Ostpreußenkopf weilte dienstverpflichtet in Memel an der Ostseeküste – wir hatten ja Krieg ! Dort baute er mit den “Ostwall” an der der Ostsee aus mit all seinen Bunkern und Festungsanlagen, die gut getarnt in den Dünen gleich hinter dem Strand lagen und als solche von außen nicht erkennbar waren. So gut getarnt, dass es da sogar eine Geschichte darüber gab in diesem Bauhaus:

“Als die älteste seiner Töchter, das Mariechen, ihren Vater dort einmal besuchte, war sie so
erfreut über den einsam leeren Strand und so zog sie sich aus (nicht ganz – das tat man damals auch nicht, wenn man sich ganz allein wähnte) und legte sich in die Sonne.

Nach einigen Augenblicken war dann plötzlich ihr Vater bei ihr und bedeutete ihr. sich wieder anzuziehen. Denn sie war im Blickfeld aller Soldaten dieses Befestigungswalls gerückt, die in ihr sicherlich eine begeisternde Abwechslung ihres eintönigen Soldatendaseins gefunden hatten. So gut getarnt war dieser “Ostwall”! ! “

So, das war der Grund, dass Tante Ließchen hier im Bauhaus allein mit ihren Töchtern war und “herumwuselte” !

Onkel Albert war nicht nur ein schöner Mann mit seinen klaren blitzenden blauen Augen –
es war auch etwas Besonderes um ihn herum – eine Stille und in dieser eine gewaltige Kraft – wenn er so groß und überwältigend vor mir als Achtjährige stand. Viel Worte machte er nicht, aber wenn – dann hatte alles Hand und Fuß.

Wenn ich jetzt so an ihn denke, so kommt er mir noch immer wie einer der alten heidnischen Prussenfürsten oder Schamanen vor, die in grauer Vorzeit dieses Land hier besiedelt hatten und dem deutschen Ritterorden so einen harten Widerstand geleiset haben, als dieser in ihr Land eindrang. Das Christentum ist hierher erst spät um 1200 nach Chr. hierher gekommen. Ich habe Onkel Albert immer bewundert und das Besondere um ihn herum gespürt.

Dies kommt auch vielleicht daher, dass ich so viel von seinen Schwingungen mitbekam, denn mir hatte man in Ermangelung eine größeren Raumes sein kleines Kontor als Zimmer zugeteilt mit einer Tür zum Windfang hinaus vor der eigentlichen Tür zum Hausinneren. Da gab es noch eine Tür aus dem Kontor hinaus, die zu einem anderen Zimmer ins Hausinnere führte. Aber das war belegt mit einer anderen evakuierten Familie, den Lengemanns und die hatten ein kleines Baby.

Meine Mutter bekam die Magdkammer – ebenso schmal und klein wie mein Kontor. In beide Zimmer paßten so gerade ein Bett hinein und bei mir noch der Aktenschrank und ein kleiner Schreibtisch mit Stuhl – bei meiner Mutter stand dann noch ein Kleiderschrank im normale 1-m-Format.

Das beste daran für mich war, dass diese beiden Zimmer so weit voneinander entfernt lagen! Um zur Mädgekammer zu kommen, mußte ich erst vom Windfang aus über den Wohnflur (rechts davon ging die Treppe hoch in die oberen Wohnräume meiner Verwandten) geradaus in die Küche, durch die Tür dann rechts in den großen Hauswirtschaftsraum, der wie ein großflächiger Keller jedoch zu ebener Erde war. Dort wurden alle
anfälligen Hausarbeiten vom Wäsche waschen, Gemüse putzen, Konservieren, Bügeln usw.
bequem in diesem großen Raum erledigt. Die eigentliche Küche war eher etwas kleiner und diente nur zum Zubereiten von Mahlzeiten für die Familie.

Also die Tür an der rechten Küchenwand führte in diesen Hauswirtschaftsraum, wo dann an dessen linker Wand das Mägdezimmer lag, wo meine Mutter schlief. Von der eigentlichen Küche links dann ging es in das Eßzimmer mit dem großen Tisch, wo wir uns öfter alle versammelten, wenn an Wochenenden die ganze Familie einmal wieder im Hause war.
Was haben wir dort für schöne Geschichten zu hören bekommen und ich war so begierig, noch mehr über die Zeit der Mädchen im Arbeitsdienst zu hören, dass ich sie immer wieder zum Erzählen drängelte. “Und dann, was war dann…..? Erzähl noch ‘was …!” so höre ich mich noch heute fragen.

Aber das mit der Kammer meiner Mutter – das kam mir so gut entgegen. Damit war ich der ewigen Aufsichtsbehörde, der meiner Mutter, entkommen und hatte eigentlich zum ersten Male im Leben ein eigenes Zimmer. Ganz für mich allein und weit weg von allen Überprüfungen und Eingriffen in mein Privates! Wie ich das genossen habe !

Jetzt konnte ich endlich meiner großen Leselust frönen, so viel mehr als vorher! Manche Nacht habe ich angefangen, im Morgengrauen zu lesen, bis ich um 7.00 Uhr morgens aufstehen mußte, um mich zur Schule fertig zu machen. Und gerade die letzten Minuten  um 7.00Uhr herum waren immer so spannend! Ich habe mit der Zeit um die Wette gelesen und auch dadurch gelernt, schnell und quer durch ein Buch zu lesen.

Wie oft war ich zu spät dran und mußte die Abkürzung zur Katholischen Mädchenschule quer über den Friedhof nehmen, der schräg zur Stadt hin an die andere Straßenseite gegenüber grenzte. Das mochte ich eigentlich gar nicht so sehr, schnell über die Gräber zu springen und die Toten in ihrer Ruhe zu stören! Ich hatte so ein Gefühl, dass dies nicht rechtens und fühlt mich ein mißchen schuldbewußt, weil dies so wenig Achtung vor den Toten zeigte. Denn ich hätte ja früher mit dem Lesen aufhören können.

Aber was sein mußte, um noch pünktlich zum Unterricht zu kommen, mußte eben sein ! Denn Fräulein Teichert, unsere Lehrerin, hatte da einen Rohrstock, mit dem sie einem auf die innere Handfläche schlug für eine oder die andere Verfehlung unserserseits. Das wollte ich auf keinen Fall riskieren! Also quer über den Friedhof laufen – raus aus dem anderen To auf den Weg auf halber Höhe durch den “Fürstlichen Garten”, von wo man den schönen Ausblick hinunter über die Alle, auf das Heilsberger Schloß und weiter hinten
die Kirche von Paul und Peter hatte – aber dafür war dann nie Zeit auf dem Hinweg zur Schule… aber ich war dann immer pünktich, wenn auch immer auf dem “letzten Poeng”..
Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, je den Rohrstock auf meiner inneren Handfläche
brennend gespürt zu haben! Gottseidank!

So, nun sind wir, meine Mutter und ich, ins Bauhaus eingezogen, wo wir vom Juli 1943 bis Ende August 1944 mit der Familie Stremetzne gelebt haben. Und es war eine schöne Zeit für mich.

Wenn ich es so recht jetzt sehe, war dies eine der letzten Zeiten in meinem Kinderleben, wo ich noch einmal so richtig Atem holen konnte, bevor all der große “Kladderadatsch” (Flucht,Kriegsende,Nachkriegszeit) auf uns zukam.

Ich werde noch weiter kleine Geschichtchen – so Schnatzkes aus der Bauhauszeit hervorkramen aber erst beim nächsten Mal, wenn wir uns wieder hier treffen.
Na dann tschüs so lange……!

Regenbogenmärchen

Als der Sturm sich dann verbarg
und das Grün noch schöner ward,
als die Sonne zu vielen Malen in Tropfen,
die das Blattwerk schmückten,
da hört ich der Bäume leises Rauschen,
als sie die Regenbogenmär austauschten ….

“Am Rande der Welt in zwei goldenen Schalen
beginnt der Regenbogen und verbirgt seine Farben.
Schon mancher macht sich auf die Suche
nach dem güldenen Schrein seines Lebens,
doch aller Eifer, Kampf, Wollen waren stets vergebens.

Doch sind die Schalen – die goldenen –
für jede Seele gedacht, die sich bewußt gemacht
im Urgrund eigener Nacht,
die sich bemüht um das Urvertrauen im Leben und sich eins fühlt
mit der Welt – im Nehmen und im Geben.

Denn wer den eigenen Weg erwählt.
nicht Gewinn noch Macht erstrebt,
wer wieder wie ein Kind zur Sonne lacht,
der wird das Regenbogenende finden
in heller Sommernacht.

Das Wissen darum ist wie Goldstaub
auf Nachtfalterflügeln,
so flüchtig zart, ein Schmetterling!
Ergreifst Du ihn,
er wird vergeh’n
wie Gedanken im Wind,
laß ihn besteh’n,
ihm nur zuzuseh’n,
erfüllt sich als große Freude!

Das Wissen darum gibt dir die Kraft,
zu wandeln Dein Morgen und Heute.

Eva Maria H. 1993 (Contra)Mary)

 

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